Sie verfluchen dich. Kommst du des Weges, schlagen sie ihre Mantelkragen hoch und laufen mit gesenkten Köpfen, eiligen Schritten und verdrossen vor dir davon. Du bist ungewollt. Hässlichkeit wird dir nachgesagt. Ungefragt trägst du diese Bürde. In dich wurde ich hineingeboren. Du hattest deine graue Decke über die Felder und Wiesen gelegt und den See... Continue Reading →
Tag der Frau, Frauenstreik 2019
Sie spaltet mich. Die Angelegenheit spaltet mich in gefühlte 27'000 Stücke. Stücke, die sich miteinander und gegeneinander verschwören, weil sie sich nicht einig sind. Am Frauenstreiktag 2019 betrachte ich ein Individuum im Spiegel und sehe eine (zwie-)gespaltene Persönlichkeit. Mich. Eine Frau des 21. Jahrhunderts, die versucht Worte wie «Gleichstellung» oder «Gender-Gap» rational zu betrachten und... Continue Reading →
Ein Leben mit Lücken
Vor etwas mehr als einem halben Jahr trennte sich das Froilein von seinem Beruf. Ein Beruf, der ihm nach 25 Jahren Tätigkeit in Fleisch und Blut übergegangen war, der ihm wie ein guter Freund auch über die schlechteren Tage hinweg geholfen hatte. Ein Beruf, dem es ehrlich zugetan war. Doch: zu ausgetreten und routiniert schienen dem... Continue Reading →
Reine Ansichtssache
«Heilige Scheisse, ich lebe noch!», sagt der Dachdecker nach dem Fall vom Giebel. «Heilige Scheisse, ich lebe noch…», sagt der Daseinsmüde nach dem Fall vom Giebel. Dem einen graut der Morgen, dem andren dämmert’s. Dies ist eine Geschichte, gemacht aus drei Sätzen. Weitere 3SatzGeschichen finden Sie hier.
Alles ausser Liebe
Hin und wieder wird das Froilein darum gebeten, etwas über die Liebe zu schreiben. Ebenso oft, wie es darum gebeten wird, schlägt das Froilein den Wunsch nach Texten und Geschichten über die Liebe aus. Warum? «Liebe», geschätzte Leserschaft, ist ein derart grosser, mächtiger und angsteinflössender Überbegriff, einer, der in so viele Nuancen zu unterteilen ist,... Continue Reading →
da capo al fine
Gleichwohl trotze ich den Stürmen meiner Tage halte ein halte aus halte durch einzig und allein dieses einen Fussabdrucks willen mich nicht unsterblich machend bisweilen menschlich
Des Lebens Andante
Ich hangle mich entlang den Linien im Wechselspiel von Moll und Dur stets bestrebt zu schaffen einen Raum für Zwischentöne In diesem Raum nur will ich verweilen darauf warten dass einer unter ihnen meine Seele aufbricht und zum Klingen bringt So hangle ich mich weiter Solistin zum gleichen Teil auch Instrument den Zwischentönen folgend letzten... Continue Reading →
Der kleine Blick aufs Glück
Neulich in der Mensa: Letztens sass ich leicht betrübt beim Mittagessen. Zu voll, zu laut, zu hektisch, zu alles störte meine Sinne. Just im Moment, als ich mir überlegte, ob ich die Mahlzeit als geniessbar durchgehen lassen oder ihr doch lieber die Note «ungenügend» aufbürden sollte, schob sich vom rechten Tellerrand ein Schneckenhaus in mein... Continue Reading →
Der Überrest
Ich kremple nach aussen mein Innerstes es zaghaft wieder überstülpend wie ein neu erworbenes Kleid zieh zurecht was zurecht zu ziehen gilt stets versucht es sorgsam zu behandeln. Der Alltag tut sein übriges nutzt ab nutzt aus bis irgendwann nicht aufzuhalten das Ende naht entbehrlich bleibt allein der letzte Fetzen Seele.
Im Weihnachtssturm
Retrospektiv vergleicht das Froilein das Jahr 2016 gerne mit dem Glas Wasser auf dem Tisch, welches man versehentlich umstösst und sich dabei denkt: Verdammt schade. In genau sieben Tagen wird 2016 ad acta gelegt und "unter ferner liefen" irgendwo weit hinten in der Weltbibliothek unauffindbar verstaut werden. Aus den Augen, aus dem Sinn, so die Verdrängstrategie. Nein, es ist nicht... Continue Reading →